Zum Umgang mit Leiderfahrungen

Zur Realität der menschlichen Existenz gehören Leiderfahrungen – verursacht durch Schicksalsschläge, Krankheit, Altern, Sterben oder den Tod eines geliebten Menschen. Im Verlauf seines Lebens ist der Mensch solchen Ereignissen zwangsläufig ausgesetzt. Diese Lebenskrisen erschüttern den Menschen in seinen Grundfesten und verändern radikal und unwiderbringlich seine Lebenssituation und Zukunftspläne. Er wird gewissermaßen gezwungen, in ein neues Leben einzutreten, auch wenn das zunächst unvorstellbar für ihn erscheint. Der betroffene Mensch fühlt schmerzvolle, belastende, unangenehme Gefühle. Diese negativen Gefühle werden als Leiden erlebt, weil sie einhergehen mit subjektivem Empfinden von Zerstörung, Verlust, Vernichtung von Wertvollem.

Die Dimensionen des Leidens erfassen den Menschen

  • physisch: sich auf körperliche Vorgänge beziehend
  • psychisch: sich auf seelische Vorgänge beziehend
  • sozial: sich auf die soziale Situation beziehend, d.h. Eingebundensein in Gruppe, Familie, Versorgungsnetzwerk
  • spirituell: sich auf geistige Erfahrungen beziehend, die nicht oder schwer in Worte zu fassen sind.

Der betroffene Mensch  wird zu einem Anpassungsprozess genötigt.

Wenn der Mensch sich der Tatsache bewusst wird, dass das Leben sich ständig wandelt und es keinen Stillstand im Fluss des Lebens gibt, kann er Hoffnung und Bereitschaft zu neuen Erfahrungsmöglichkeiten entwickeln.

Daraus können erste Veränderungsschritte erwachsen:

  • Maßnahmen zur Selbsthilfe entdecken und umsetzen
  • Unterstützung durch andere Menschen zulassen
  • Hilfsangebote in der Gesellschaft suchen und annehmen.

Die verschiedenen kostenfreien und kostenpflichtigen Unterstützungs- und Hilfsangebote knüpfen an die verschiedenen Dimensionen des Leidens an:

Körperliche Erkrankungen, Verletzungen und Schwäche werden durch vielfältige Fachdisziplinen der Medizin, Pflege und anderer Heilberufe wie z.B. Physiotherapie behandelt und unterstützt. Die Patientenrechte stärken die Information, Aufklärung, Beratung und Selbstbestimmung von Patienten. Die Selbstbestimmung von Patienten findet ihren Ausdruck im Festlegen von Willensbekundungen mit Hilfe einer Vorsorgevollmacht (VV) und Patientenverfügung (Pat.Verf). Mit einer Vorsorgevollmacht können Sie „in gesunden Tagen“ die Vertrauensperson selbst auswählen, die bei später eintretender Geschäfts- und/oder Einwilligungsunfähigkeit für Sie entscheidet und handelt. Mit einer Patientenverfügung kann für den Fall der eigenen Entscheidungs- oder Einwilligungsunfähigkeit festgelegt werden, ob man in bestimmte, zukünftige medizinische Behandlungen wie Untersuchungen des Gesundheitszustandes, Heilbehandlungen oder ärztliche Eingriffe einwilligen oder diese untersagen will. Beide Verfügungen sollten vor lebensbedrohlichen medizin. Eingriffen und für die letzte Lebensphase erstellt worden sein.

Je nach Schwere der seelischen Belastung stehen unterschiedliche Hilfeangebote für psychologisch Unterstützung zur Verfügung.  Die Psychiatrie (im Deutschen auch Seelenheilkunde) ist die medizinische Fachdisziplin, die sich mit der Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung von psychischen Störungen beschäftigt. Mit dem Begriff Psychotherapie wird die professionelle Behandlung psychischer Störungen mit psychologischen Mitteln bezeichnet. Psychologische Beratung wird zu unterschiedlichsten Themen von Fachberatungsstellen angeboten und dient der Orientierung, ob und welche weiteren Hilfen benötigt werden. Selbsthilfegruppen und Online-Angebote können zur seelischen Stabilisierung beitragen und weitere Handlungsimpulse in Gang setzten.

Veränderungen der sozialen Situation wie z.B. Verlust des gewohnten Umfelds durch Wohnortwechsel oder materielle Not bedürfen ebenfalls meist  einer Information und Beratung. Hier hilft Sozialberatung, die in Kliniken, von Verbänden und Beratungsstellen angeboten wird. Da psychische und soziale Belastungen oft miteinander verknüpft sind, werden sie als Psychosoziale Belastung zusammen gefasst. Entsprechend wird in Beratungsstellen Psychosoziale Beratung zur Unterstützung angeboten.

Besonders in Krisenzeiten suchen Menschen nach Bedeutung und Sinn des Lebens, sie werden konfrontiert mit der Tatsache der eigenen Vergänglichkeit. Spiritueller Beistand gibt kranken, in Not geratenen oder sterbenden Menschen den erforderlichen Raum und Zeit für die individuelle Sicht und Einordnung von Lebenserfahrungen und –umständen.  So kann der einzelne Mensch sich mit seinen individuellen Bedürfnissen und Sichtweisen in einem größeren Zusammenhang gesehen und getragen fühlen. Unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit wird in Kliniken für Kranke, Sterbende und ihre Angehörigen spiritueller Beistand angeboten. In der Begleitung können existenzielle Fragen  des Menschen nach dem „Woher? Warum? Wohin?“ sowie Fragen nach dem, was Kraft und Halt gibt, und Fragen der individuellen Glaubensvorstellungen gestellt und reflektiert werden.

Spirituelle und psychosoziale Begleitung sind Behandlungsaspekte der Palliativmedizin (Palliativ Care) nach der Definition der WHO 2002. Seelsorge, ein Angebot von Kirchen, wird in fast allen Kliniken in Deutschland durch hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger angeboten, die an vielen Orten mit Ehrenamtlichen zusammen arbeiten. In der Regel wissen die Stationen einer Klinik, wie ein Kontakt zur Krankenhausseelsorge aufgenommen werden kann. Daneben weisen Plakate, Flyer und Internetauftritte auf die Angebote der Seelsorge hin.

Links zu Hilfe-Institutionen, bundesweit und regional

Hilfreiches in schweren Zeiten