Systemische Beratung, Therapie

Der systemische Ansatz basiert auf der Systemtheorie, hatte sich zunächst in der Familientherapie etabliert und ist seit 2008 als wissenschaftliches Verfahren anerkannt. Systemisches Denken beruht auf einem Verständnis des Menschen, welches ihn als Individuum und zugleich als unausweichlich soziales Wesen betrachtet.

Probleme, Störungen und psychische Beeinträchtigungen werden nicht isoliert als „Wesensmerkmal“ betrachtet, das eine Person oder ein soziales System ( z.B. Familie, Team etc.) „hat“, sondern als ein Geschehen gesehen, an dem viele verschiedene miteinander interagierende Menschen beteiligt sind (*1). Zeigt eine Person Schwierigkeiten, so wird sie nicht als behandlungsbedürftige Person definiert, sondern als SymptomträgerIn angesehen, welche/r einen Veränderungsbedarf öffentlich anzeigt und auf diese Weise die Mitglieder des Bezugssystems herausfordert, sich verändert zu verhalten. Diese dynamischen Zusammenhänge werden in der systemischen Beratung berücksichtigt; stets werden das soziale Umfeld und die Lebenszusammenhänge der Person (Kontext) in die systemische Begleitung einbezogen.

Grundprinzipien und zentrale Annahmen der Systemischen Betrachtungsweise:

  • Wahrnehmung ist subjektiv, jede Erfahrung wird individuell erlebt
  • Zwischenmenschliche Kommunikation und Beziehungsgestaltung sind bedeutsam, denn Menschen erzählen „Geschichten“ und „Wirklichkeit“ wird als Ergebnis sozialer Konstruktion angesehen, nicht als etwas, das objektiv ist und ein für allemal Gültigkeit besitzt. Entsprechend ist ein Finden von „Wahrheit“ nicht das Ziel systemischer Beratung, da nicht von einer vom Beobachter unabhängigen Wahrheit ausgegangen wird
  • Das soziale Umfeld (Kontext) wird einbezogen, keine isolierte Problembetrachtung
  • Die Vielzahl von gegenseitigen Wechselwirkungen und Beeinflussungen im System selbst und zwischen System und Umgebung werden berücksichtigt (zirkuläres Modell)
  • Symptome haben einen Sinn; sie werden nicht als Defizite und Fehlverhalten gesehen
  • Ressourcen, Stärken und neue Ideen stehen im Mittelpunkt
  • Lebende und soziale Systeme werden als selbstorganisiert angesehen
  • Jedes System strebt nach Wachstum und Veränderung
  • Systemische Betrachtung regt KlientInnen an, ihre Handlungsmöglichkeiten zu erweitern
  • Die Suche nach Lösungsmöglichkeiten wird gefördert und Vertrauen in die eigenen Kräfte und Handlungsfähigkeit werden gestärkt, um Abhängigkeit von Beratenden/ TherapeutInnen zu vermeiden
  • In der Regel wenige Sitzungen, um nachhaltige Veränderungen zu erzielen

Diese systemische Betrachtungsweise gilt für meine Arbeit mit Trauernden bei der Unterstützung ihres Trauerprozesses und für die Begleitung von erkrankten Menschen in ihren Anpassungsprozessen.

*1) von Schlippe, A., Schweitzer, J.: „Systemische Interventionen“ (2010, 2. Aufl.) Verlag V&R