Perimortale Trauer

Der Begriff „perimortal“ schließt den Zeitraum der Todesstunde und die Stunden unmittelbar davor und danach mit ein (*1). Perimortale Trauer kann als Anfangssituation des Trauerprozesses für An- und Zugehörige einer schwer kranken Person gedeutet werden (*2). Sie kann sich mit erstem Vorahnen und abschiedlichen, traurigen Gefühlen ankündigen, wenn die Lebensbedrohlichkeit ansteigt und bewusst wird, dass die Lebenserwartung zunehmend begrenzt ist.

Perimortale Trauerbegleitung als wesentliches Element von Palliativbetreuung

Schreitet die Erkrankung voran und spricht nicht mehr auf kurative (heilende) Behandlung an, übernehmen Palliativmedizin und Palliativpflege die weitere Betreuung.  Das lateinische Wort Pallium bedeutet Mantel. In diesem symbolischen Sinne will die Palliativmedizin Patientinnen und Patienten umhüllen und vor Schmerzen und unterträglichem Leid schützen. Es ist das Behandlungsziel der Palliativmedizin, die Lebensqualität der schwerstkranken und sterbenden Menschen so weit wie möglich bis zum Tod zu erhalten und Sterben zuzulassen durch Linderung von Schmerzen und belastenden Symptomen. Eine Lebensverlängerung um jeden Preis ist nicht das Ziel. Sterben wird als Teil des Lebens begriffen. Palliativmedizin orientiert sich stets an den Wünschen und Bedürfnissen der schwerstkranken und sterbenden Menschen und deren Angehörigen. Sie ist eine an einem ganzheitlichen Ansatz orientierte Medizin und integriert in ihrem Therapiekonzept nicht nur die medizinischen Aspekte, sondern berücksichtigt auch die spirituellen und psychosozialen Leiden (*3). Hier setzt perimortale Trauerbegleitung in Form von umfassender emotionaler Unterstützung aller Beteiligten Personen an.

Perimortale Trauerbegleitung für Schwerkranke und ihre An- und Zugehörigen

Der bevorstehende Tod löst Gefühle und Gedanken aus, die sich mit der eigenen Vergänglichkeit und Sinnfragen beschäftigen. Spirituelle Themen, fürsorgliches Dasein der Angehörigen und Erfüllung letzter Wünsche und Bedürfnisse stehen nun im Vordergrund, um ein Sterben in Frieden zu ermöglichen.

Perimortale Trauerbegleitung meint, Dasein, Halt geben im Hier und Jetzt, Raumgebung für Gefühle und Ermutigung der Angehörigen, sich stimmig verhalten zu können, Nähe und Zuwendung geben zu können sowie Abschied nehmen und geben zu können. Sie unterstützt Angehörige dabei, den Tod realisieren und die Bedeutung des Verlustes würdigen zu können. Mit der Realisierung des Verlustes werden weitere Trauerreaktionen ausgelöst, die der Beginn des Trauerprozesses der Angehörigen sind.

*1) Winkler, V. „Trauer und perimortale Trauerbegleitung“ (2015) Diss. Univerität Wien

*2) Lammer, K.: „Den Tod begreifen“ (2013, 6. Aufl.) Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, S. 220

*3) WHO (2002): Definition von Palliative Care, einem ganzheitlichen Betreuungskonzept zur Begleitung Schwerstkranker, Sterbender und deren Angehöriger; zit.: Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V., Zugriff am 14.11.2018 unter https://www.dhpv.de/themen_hospiz-palliativ_palliativmedizin.html

Palliative Care ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen, und zwar durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, Einschätzen und Behandeln von Schmerzen sowie anderer belastender Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art.”