Leitgedanken zu Natur, Sterben, Tod und Trauer

Aktionskünstlerin Bali Tollak : „Seelenbrett®“, Ausschnitt

Die Natur

Bei der Betrachtung der Natur, dem Sein aller Lebewesen, zeigt sich, dass Pflanzen und Tiere vergehen, verenden, im „menschlichen Sinne/Sprachgebrauch sterben, absterben“, ohne dass sich eine Erinnerungskultur zeigt.

Der Mensch

Der Mensch hingegen stirbt auf eine Weise, die ihn von aller Kreatur unterscheidet – und das gehört offenbar zum Menschsein dazu. Die Kultur des Menschen ist bestimmt durch den Anfang und durch das Ende seines Lebens – durch seine Geburt und durch seinen Tod. Seine Kultur ist Erinnerungskultur. Die Bestattung ist Erinnerungskultur in vielfältig ausgeprägten Formen (z.B. Pyramiden, Hünengräber, Gräberfelder, Friedhöfe).

Der Tod

Um den Tod – sprachlich ein Substantiv –  irgendwie vorstellbar, begreifbar zu machen, wurde er in früheren Zeiten personifiziert, er wurde z.B. als Sensenmann dargestellt. In der Literatur des Mittelalters ist auch die Rede vom Gevatter Tod. Der Tod kommt auf jeden Menschen zu, jeder Mensch muss sterben – der Tod als „Gleichmacher aller Menschen “, dargestellt in den mittelalterlichen Totentanzdarstellungen. Der Tod gehört zum Leben oder umgekehrt ohne Tod gäbe es das Leben nicht. So steht auch in der Bibel

Psalm 90, 12: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Der Mensch hat eine Zeit des Lebens, und diese Lebenszeit dient der Vorbereitung auf den Tod. Sich dem Tod zu stellen bedeutet letztendlich, sich dem Leben und seinem Sinn zu stellen – ein Sinn, den der Mensch dem Leben zu geben vermag.

Sterben und Trauern

Sterben ist ein Verb und kann verstanden werden als das Hinleben auf den Tod. In der Gegenwart des Todes trauert der sterbende Mensch rückerinnernd um sein vergangenes Leben und vorausschauend um sein zukünftig nicht mehr lebbares Leben. Er nimmt Abschied von seinem gelebten Leben und von dem nicht mehr erlebbaren Leben, der nicht mehr erlebbaren Zukunft.

Das Gefühl der Trauer – besonders die Traurigkeit –  in Abschiedssituationen lässt Menschen die Vergänglichkeit des Lebens erfahren. Trauern ist ebenfalls ein Verb und kann verstanden werden als das Leben im Bewusstwerden von Vergänglichkeit. Trauernde Menschen sterben partiell angesichts des nahen Todes oder des eingetretenen Todes des zugehörigen Menschen, indem sie wahrnehmen, dass alles vergänglich ist. Das Sterben und das Trauern entsprechen einander.