Hypnosystemische Trauerbegleitung
(nach Kachler)

Roland Kachler hat einen Traueransatz entwickelt, bei dem eine innere Beziehung zur verstorbenen Person bleiben und weiterhin gelebt werden darf. Mit dem Tod eines geliebten Menschen ist für Trauernde die Beziehung nicht zu Ende, sondern wird im Trauer-Erleben nicht nur aktiviert sondern geradezu intensiviert (*1). Entsprechend (*2) steht für ihn nicht das Loslassen sondern die Liebe zur verstorbenen Person im Zentrum des Trauerprozesses, denn sie bleibt über den Tod hinaus weiter erlebbar:

„Der Tod beendet ein Leben, aber nicht die Liebe!“

Ziel seines Ansatzes ist es, im Trauerprozess die Liebe – die Gegenkraft zum Verlust –  zu finden. Die Heftigkeit, der Schmerz und die Tiefe der Trauer verweisen auf die Liebe, welche auf dem Grund der Trauergefühle ruht und durch das Aufbrechen der Gefühle an die Bewusstseinsoberfläche getragen wird. Trauergefühle sieht Kachler nicht im Abschied sondern in der Liebe. Darin liegt dann auch etwas Tröstliches der Trauer, weil sie nicht nur die Abwesenheit und Ferne des/der Verstorbenen zu erkennen gibt, sondern eine besondere emotionale Nähe zu ihm/ihr hervorbringt. Im Verlauf des Trauerprozesses ist die Liebe zur verstorbenen Person die Gestaltungskraft für eine neue innere Beziehung, welche gerade kein Ende kennt, sondern ein Leben der Hinterbliebenen mit den Toten ermöglicht.

Mitgefühl, Sehnsucht, Liebe

Durch den Verlust und den Schmerz werden Gefühle wach, welche die Nähe zur verstorbenen Person wollen. Kachler nennt diese Beziehungsemotionen die drei Schwestern der Trauer, welche in der Trauerbegleitung als gestaltende Kräfte genutzt werden und entsprechend gewürdigt werden.

Ferner wird die neurobiologische Tatsache, dass das menschliche Gehirn innere Bilder als eigene Wirklichkeit wertet, die sich kaum von der äußeren Wirklichkeit unterscheidet, in dem hypnosystemischen Trauerbegleitansatz genutzt wie z.B. Arbeit mit Erinnerungen, mit dem Unbewussten, mit Beziehungsgefühlen, mit Körperwissen, mit Aufmerksamkeitslenkung, mit Ritualen.

In meiner Arbeit mit Trauernden orientiere ich mich an dem Metamodell des hypnosystemischen Trauer- und Beziehungsansatz nach Kachler (*3).

*1) Kachler, R.: „Hypnosystemische Trauerbegleitung – Ein Leitfaden für die Praxis“ (2012) Verlag Carl Auer

*2) Kachler, R. „Meine Trauer wird dich finden“ (2005) Kreuz Verlag, S.10

 *3) Kachler, R.: „Nachholende Trauerarbeit – Hypnosystemische Beratung und Psychotherapie bei frühen Verlusten“ (2018) Verlag Carl Auer