Hilfreiches in schweren Zeiten

Anregungen zur Selbsthilfe, Selbstfürsorge und Förderung von Handlungsfähigkeit

Sich selbst stabilisieren:

Sich Zeit zugestehen und innehalten und sich etwas Gutes tun; sich im Alltag in der Familie oder im Beruf zurücknehmen und Verantwortung reduzieren; sich eine Auszeit nehmen bei körperlicher Erschöpfung; einen Rückzugsort finden und nutzen, persönliche Belastungsgrenze wahrnehmen und beachten; einen bewussten Umgang mit Medien praktizieren; auf Schlaf und Ernährung achten und sich damit gut versorgen.

Dem Körper Gutes tun:

Sich dem Körper zuwenden und ihn spüren; den Boden spüren, Halt wahrnehmen; den Atem beachten; sich bewegen, spazieren gehen, Kontakt zur Natur aufnehmen, wandern oder eine vertraute Sportart durchführen.

Sich von Gefühlen und Intuition leiten lassen:

Gefühle aller Art gelten lassen; Schmerz und Trauer wollen gelebt werden; die Untröstlichkeit annehmen; auf die eigene Intuition hören; ungewöhnliche Gestaltungsideen ernst nehmen; kleine und kleinste Schritte gehen und keine überstürzten Entscheidungen treffen.

Geduld und Vertrauen entwickeln:

Zulassen, dass man nicht weiß, wie es weiter gehen wird, das Nicht-Wissen aushalten; darauf vertrauen, dass man die erforderliche Kraft für den nächsten Schritt erhalten wird (erfahrungsgemäß entdecken Trauernde erst im Rückblick, dass sie auf eine unerklärliche Weise genau die Kraft erhalten haben, die sie für den nächsten Schritt brauchten). Sich selbst zuwenden und persönliche Eigenschaften als Ressourcen (wieder)entdecken.

Schreiben:

Schreiben hilft, Klarheit zu entwickeln und fördert das Wiedererlangen von Kontrolle in einer chaotischen Situation, denn das geschriebene Wort ist sichtbar; Tagebuch schreiben, Checklisten schreiben, Notizen, Stichworte oder Fragen helfen, das Geschehene später mit Abstand nochmals nachvollziehen bzw. verstehen zu können.

Lesen:

Es geht darum, sich zu erlauben, das Leben in schwierigen Zeiten anzunehmen. Ratgeber, Selbsterfahrungsberichte, Zitate und Texte helfen dabei zu erkennen, welche Erfahrungen andere Menschen in Krisenzeiten gemacht haben und was ihnen geholfen hat; aus Schilderungen anderer Menschen kann Mut erwachsen, selber Neues auszuprobieren.

Alltagsrituale nutzen:

Die alltägliche Normalität wie z.B. Aufstehen am Morgen, die Zeitung aus dem Briefkasten holen, das Haustier füttern etc. können als kleine Rituale wieder Halt geben und für Struktur am Tag bzw. in einer Woche sorgen. Auch eine bewusste, vorübergehende Ablenkung mittels Fernsehen, Nachrichten hören, Musik hören und scheinbar belanglose Aktivitäten wie putzen, einen Schrank aufräumen etc. fördern den Erhalt von Handlungsfähigkeit.

Sprechen:

sich vertrauten Menschen öffnen, wenn sie Sie fragen; sie bitten, ggf.  nur zuzuhören und ihnen das Geschehene erzählen; wiederholtes Erzählen fördert das Annehmen und die Akzeptanz dessen, was geschehen ist; das Erzählen hilft, das zu erkennen, zu begreifen und zu verstehen, was oft  nicht sofort verstanden wird; im Erzählen wird das Geschehene gewürdigt.

Sich helfen lassen:

Medizinische Hilfe suchen bei Schlafproblemen, Appetitlosigkeit und anderen körperlichen Beschwerden; sich nicht scheuen, Hilfe anzunehmen vom persönlichen Umfeld wie PartnerIn, Eltern, Geschwister, FreundInnen, Nachbarschaft, ArbeitskollegInnen. Professionelle psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen bei tiefer Verzweiflung mit suizidalen Gedanken, starkem Grübeln, traumatischem Erleben und Versuchen, durch Einnahme von Suchtmitteln Linderung zu erfahren.

Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen:

Psychologische Hilfen in herausfordernden Zeiten 200322_jacobi_umgang-mit-quarantäne_Corona

Telefonseelsorge, bundesweit:

KrisenKompass der TelefonSeelsorge / für Menschen in der suizidalen Krise  https://www.youtube.com/watch?v=Pvp-ZLsjkCk

KrisenKompass der TelefonSeelsorge / der Notfallbereich  https://www.youtube.com/watch?v=c-PSjg6_xE8

Literatur:

  • Roland, Kachler: „Was bei Trauer gut tut – Hilfen für schwere Stunden“, Kreuz Verlag, 3. Aufl. 2015. Kompakte und konkrete Hilfen für alle Trauersituationen, Anregungen die die Trauer lebbar machen, Erste Hilfe für Trauernde.
  • Anselm Grün OSB: „Gehalten in Zeiten der Trauer“,  Kreuz Verlag, 2. Aufl. 2014. Einfühlsame und ermutigende Texte von Pater Anselm Grün für die dunklen Stunden der Trauer.
  • Ankelika Daiker „Bergen, was bleibt – Für Trauernde“ mit Bildern von Sieger Köder, Schwabenverlag, 3. Aufl. 2017