Anliegen

Wesentlich für meine Arbeit ist mein Verständnis von Trauer: sie ist eine Ressource, die hilft, den durch den Verlust entstandenen Lebens-Wendepunkt zu bewältigen. Es ist mein Anliegen, die Wandlungskraft von Trauer für Sie als Hinterbleibende nach dem Tod eines Ihnen nahestehenden Menschen erfahrbar zu machen, denn neben all dem Schmerz, den Belastungen und Anstrengungen, der Verzweiflung und dem Leid lässt Trauern auch positive Erfahrungen  und freudvolle Momente und Erlebnisse zu.

Aus existenzieller Perspektive beschreiben Längle und Bürgi (*1) Trauer als eine besondere Form der Zuwendung: zum Verlust und zu sich selbst.  Zuwendung zu Lebenswerten hat eine Intensivierung von Gefühlen zur Folge und verbindet Erlebtes mit der eigenen Lebenskraft. Das Spüren der Lebenskraft geschieht sowohl bei Zuwendung zu positiven Werten und Inhalten – es entsteht Freude, Genuss, Lust, Kraft – als auch in der Zuwendung zum Verlorenen: Trauern, Klagen, Leiden, Erschöpfung.

R. Kachler (*2) benennt als einen zentralen Aspekt seines Traueransatzes nicht das „Loslassen“ ist das Zentrum der Trauer, sondern meine Liebe und der Wunsch, diese Liebe in einer veränderten Form weiterleben zu können.“

Auch Ch. Paul (*3) plädiert für das Erleben von Trauer und formuliert Tauer ist die Lösung, nicht das Problem.“

Gelebtes Leben bleibt in uns Menschen als Erinnerung gespeichert, teils bewusst und teils unbewusst. Werden die traurigen Verlustgefühle zugelassen, fördern sie Zuwendung und Nähe zu sich selbst und damit auch das Erinnern an Erlebnisse mit der verstorbenen Person. Aus personzentrierter Sicht formuliert Mucksch: „Zugelassene Trauer ist im eigentlichen Sinn Selbstfürsorge und somit letztendlich Selbsthilfe(*4).

Auch in dem hypnosystemischen Trauerbegleitansatz von Kachler ist die Selbstzuwendung eine Voraussetzung für die neue innere Beziehungsgestaltung (*5).

Durch den Verlust kann das bisherige Weltbild – die bisherige angenommene Wirklichkeit“ –  stark erschüttert oder derart verletzt werden, dass der hinterblieben Person die existenzielle Sicherheit entzogen wird (*6). Diese Erfahrung kann eine Suche nach existenziell tragfähigen Werten auslösen. Da dem Bedürfnis nach Sicherheit vielfach religiöse Angebote entgegen kommen, werden Glaube, Religiosität und Spiritualität für viele Trauernde bedeutsam. Daher nimmt Spiritualität oft eine haltgebende Rolle ein, sowohl im Trauer-Erleben als auch in dem Prozess der Neuausrichtung wie Forschungsergebnisse zeigen (*7).

In meiner Arbeit mit Trauernden sind mir folgende Aspekte wesentlich:

  • Zuwendung zum Verlust / zu sich selbst
  • Selbstfürsorge / Selbstmitgefühl
  • Liebe / Gefühlsausdruck
  • Ermutigung zu Offenheit / Hoffnung
  • Kreativität / Mut
  • Versöhnung / Spiritualität
  • Neugestaltung des Lebens / Reifung

Grundlegende Ziele meiner Arbeit sind:

  • Stärkung Ihres Vertrauens, Ihr Leid (durch)tragen zu können und einen eigenen Weg gehen zu können
  • Erleben der Wandlungskraft der Trauer für eine neue Sicht Ihres Lebens: Schritt für Schritt – durch den Schmerz hindurch
  • Förderung Ihrer Handlungskompetenz
  • Ressourcenstärkung
  • Persönliche Anpassung an die verlustbedingten Lebensveränderungen und Neugestaltung des Lebensalltags
  • Bewahrung Ihrer psychosozialen Gesundheit und Lebensqualität
  • Wiederentdeckung von Freude im Leben

*1) Längle, A. / Bürgi, D. „Wenn das Leben pflügt“ (2016) Verlag V&R, S. 67-69

*2) Kachler, R.: http://kachler-roland.de/Trauerbegleitung-und-Trauertherapie   (Zugriff: 25.02.2019)

*3) Paul, Ch.: https://www.chrispaul.de/   (Zugriff: 25.02.2019)

*4) Mucksch, N. „Trauernde hören, wertschätzen, verstehen“ (2015) Verlag V&R, S.36

*5) vgl. Kachler, R. „Meine Trauer wird dich finden“ (2005) Kreuz Verlag

*6) Janoff-Bulman, R.: „Assumptive worlds and the stress of traumatic events: Applications of the schema construct. Special Issue: Stress, coping, and social cognition.“ zit. in: Znoj, HJ.: „Trauer und Trauerbewältigung – Psychologische Konzepte im Wandel“ (2012) Verlag W. Kohlhammer, S. 25

*7) vgl. Klass, D. / Silverman P.R. / Nickman, S.L. „Continung Bonds: New understanding of grief“ (1996) Washington, London; zit. in: Smeding, Rm.E.W. / Heitköping-Wilp, M. „Trauer erschließen“ (2014) Der Hospizverlag